Bei den Montenegrinern

von Mia

Da waren wir nun, im Lande Montenegro. Plötzlich fühlten wir beide uns weiter von Zuhause weg als jemals zuvor. Komisch eigentlich. Oder?


Kurz nach Grenzüberfahrt von Kroatien und Bestempelung unserer Pässe waren sowohl Silas als auch ich total k.o. Wir wollten eigentlich nur noch rechts ran fahren und schlafen, wie wir es die letzte Woche in Kroatien auch immer gemacht hatten. Nur gestaltete sich rechts ran fahren als irgendwie nicht so einfach. Alles war extrem bebaut, überall Einfahrten, aber keine Abfahrten, versteckten Strände oder kleinen Parkplätze. Nachdem wir einige Zeit ins Landesinnere gebrummt waren, entschieden wir uns schließlich für die einfachste Lösung: Campingplatz. Für einen Zehner erst mal im Land ankommen, ist schon okay – dachten wir uns. Außerdem konnten wir so Wäsche waschen und ein wenig Internetzeug machen, unser Blog war schon länger nicht mehr aktualisiert worden.

Nach einer erholsamen Nacht in Bijela fuhren wir am nächsten Morgen auf der Fähre über die Kotor-Bucht.

Das österreichische Paar aus Kroatien hatte uns empfohlen, lieber die Fähre zu nehmen und nicht um die ganze Bucht herumzufahren, wenn wir dort nicht etwas Spezielles anschauen wollten. Eigentlich war unser Plan, über die Unesco Weltkulturerbestadt Kotor zu fahren – das Wetter wollte aber so gar nicht mitspielen. Für drei Tage waren Gewitter und Sturm angekündigt, Stadtbesichtigung macht da eh keinen Spaß. Also hielten wir nicht in Kotor, sondern bretterten direkt in den Süden runter nach Ulcinj. Wieder ein Tipp des österreichischen Paares: Ein 11 km langer Sandstrand, der sich von Ulcinj bis an die albanische Grenze erstreckt und sehr verlassen sein soll. Leider hat sich in den letzten Jahren einiges getan und wirklich verlassen war es dort nirgendwo… Oder wir waren zu blöd, was zu finden…?

Jedenfalls haben wir uns dann doch nur zwei Nächte dort ausgeruht für unsere Albanienfahrt. Um nach Albanien zu kommen, mussten wir allerdings erst mal über ein paar „wichtige Hauptstraßen“ (ADAC-Autoatlas) Montenegros fahren. Das war eng, huckelig und sehr grün:

Richtig angekommen sind wir leider nicht wirklich in Montenegro. Dafür sind wir auch einfach zu schnell durchgerauscht. Teils lag das am Wetter, teils aber auch an uns. Wir hatten plötzlich das Gefühl, vorankommen zu wollen und zu müssen. Was wir von den Montenegrinern selber mitbekamen, waren hauptsächlich ihre miserablen Fahrkünste. Die Montenegriner fahren überwiegend sehr langsam, aber dafür auch ohne nach rechts und links zu schauen. Jeder fährt einfach von rechts auf die Straße, es wird abgebogen wie es gerade passt oder einfach mal quer auf der Straße geparkt. Man gewöhnt sich dran, aber angenehm ist es nicht unbedingt – insbesondere wenn man so blöd war, sich vorher die Warnungen vom Auswärtigen Amt durchzulesen:

Bei Verwicklung von Ausländern in Kfz-Unfälle kommt es insbesondere bei Fällen mit Personenschäden regelmäßig zur Inhaftierung ausländischer Fahrzeugführer und – insbesondere bei Todesfolgen auf montenegrinischer Seite – nach gerichtlicher Feststellung der Schuld zu Verurteilungen mit mehrjährigen Haftstrafen, die – anders als in der deutschen Rechtsprechung – nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Daher wird dringend empfohlen, sämtliche Verkehrsregeln – einschließlich der Höchstgeschwindigkeitsregeln – streng zu beachten und umsichtig und ausgeruht zu fahren. Landesunkundige sollten Nachtfahrten außerhalb der Städte möglichst vermeiden. Da Fahrer und Beifahrer häufig nicht angeschnallt sind, ist das Risiko von Unfällen mit Personenschaden höher als in Deutschland.

Aber, Montenegro, wir kommen wieder! Nächstes Mal mit mehr Zeit, mehr Ruhe und dann werden wir uns dem ganzen Land widmen. Die Berge sehen nämlich tatsächlich verlockend aus (trotz Wolf- und Bärwarnungen) und vielleicht kommen Silas und ich ja mit dem Zelt wieder…

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