Im wilden Albanistan

von Mia

Von Montenegro direkt weiter nach Albanien:

Der Grenzübergang war entspannt, die Straßen wurden direkt schlechter und plötzlich zuckelten wir durch Albanien. Kühe und Ziegen grasten am Wegesrand, bewacht von alten Männern oder kleinen Jungs. Hutzelige uralte Frauen boten Gemüse und Obst in kleinen Wagen an. An der Straße standen sowohl kleine Hüttchen als auch bunte Betonpaläste. Autos fuhren kreuz und quer, um Huckeln und Löchern auszuweichen. Ein kleiner Junge auf zu großem Fahrrad und mit einer Kippe im Mund fuhr winkend und lachend an uns vorbei. Und immer mal wieder flanierte ein todesmutiger Hund über die Straße. Willkommen in Albanien!

Auf der „autobahnähnlichen Schnellstraße“ (ADAC-Autoatlas) wurde es dann schon wieder langweiliger. Normale Straße, super zum Fahren, doof zum Gucken. Der Großteil der Strecke war ohne besondere Vorkommnisse, nur hier und da mal ein Herzstillstands-Abbiege-, Auffahren- oder Überholmanöver. Bis Dorres fuhren wir problemlos, dann Schilderwirrwarr und wir waren verloren in Albanien. Nach einer halben Stunde mal hier abbiegen und mal da abbiegen dann endlich ein bekannter Ortsname: Kavaje. Hin da!

Bei Kavaje machten wir Pause und suchten im überall verfügbaren WiFi nach einem Campingplatz. Nach den Warnungen unseres Spätkauf-Mannes in Berlin („Ihr wollt nach Albanien? Nicht mal ich würde da hinfahren – und ich bin Albaner!“) waren wir uns nicht sicher, wie schlau es ist, in Albanien wild zu campen („Die sind alle kriminell und gefährlich. Da müsst ihr echt aufpassen!“). Also suchten wir nach Campingplätzen. Tatsächlich gibt es mittlerweile eine Handvoll davon in Albanien. Einer war in unmittelbarer Nähe.

Dorthin zu finden war nicht so leicht wie gedacht. Wir ruckelten über löchrige Straßen, an Kühen und Eseln vorbei, bis ein Albaner neben uns hielt und verwirrt fragte, wo wir denn hinwollen… Auf unsere Antwort hin schüttelte er nur den Kopf und sagte, wir sollen ihm folgen, er zeige uns den richtigen Weg. Wir fuhren ihm nach, bis er uns nach einem – für ihn großen – Umweg direkt vorm Campingplatz ablieferte. Das war nur einer der unfassbar freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die wir in Albanien getroffen haben.

Wir haben treffsicher den schönsten Ort des ganzen Landes gefunden und uns gleich entschieden trotz des Preises (18 € die Nacht) länger zu bleiben. Ein altes Ehepaar wohnt dort am Hügel in einem riesigen Holzhaus mit Blick auf’s Meer. Den Hügel hinunter sind selbstgebaute Hütten, ein Steg, der zu einer selbstgebauten (!) Insel ins Wasser führt, und zwei kleine Strandabschnitte. Nachts schwirren überall Glühwürmchen. Das Meer rauscht. Man sieht Milliarden von Sternen. Es ist ein wirklich magischer Ort.

Leider ist es auch ein kostenpflichtiger Ort. Am nächsten Tag sind wir deshalb zum Geld holen und Einkaufen in die kleine Stadt Kavaje gefahren. Auch hier bestätigten sich die vorher gemachten Erfahrungen: Albaner sind unfassbar freundliche Menschen – zumindest die, die wir getroffen haben. Bei der Bäckerin gab es ein riesiges Lächeln und den Hinweis, dass ihre Schwester in München wohne. Beim Gemüse Kaufen am Wegesrand lachte die zahnlose alte Frau und sagte: „Deutschland, gut!“ Beim Autofahren hielt ein dicker Mercedes neben uns und der Fahrer zeigte uns den Daumen nach oben begleitet von einem: „Bayern München!“

Nach zwei wunderschönen Tagen fuhren wir weiter Richtung Griechenland, quer durch’s immer bergiger werdende Albanien. Das Land ist wunderschön – nur überall wo Menschen leben, sieht es immer etwas abgefuckt aus. Was uns noch aufgefallen ist: Wir haben kein einziges weibliches Wesen in meinem Alter gesehen und die Dichte an Autowaschmöglichkeiten ist enorm, gefühlt gibt es alle 200 m eine Lavazh-Station.

Albanien hat uns so herzlich willkommen wie wir es uns nie hätten träumen lassen. Auch dies ist ein Land, dem wir in der Zukunft gerne einmal mehr exklusive Zeit widmen wollen – wir wären auch bereit, den Campingplatz zu übernehmen und dort zu leben 😉

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