Eumelia – „eine wunderschöne Melodie“

von Mia

Wir waren nur zwei einhalb Wochen in Eumelia, aber wir haben so viel gelernt und noch viel wichtiger: Wir haben drei großartige Menschen getroffen und sehr, sehr viel leckeres Essen in uns hineingeschaufelt.


In ancient Greek Eumelia (Ευμέλεια) means melody, melodious language.

Wir kommen gerade zur richtigen Zeit: 1400 Weinsetzlinge müssen in die Erde. Das heißt: 1400 Löcher bohren, Weinsetzlinge pflanzen und dann jeden einmal einzeln bewässern. Unser Gastgeber Frangiskos hat optimistisch 2 Tage dafür eingeplant, real brauchen wir knapp 7. Silas und Frangiskos bohren Löcher in die tonige, von der Sonne steinhart gewordene Erde – zuerst voller Enthusiasmus, der nach zwei Tagen langsam nachlässt. Ich setze die Weinpflanzen ein und schaufle die Erde wieder drauf. An den letzten drei Tagen fahre ich mit der Kawasaki und einem großen Kanister Wasser holen und beginne mit der Bewässerung.

Wir arbeiten hart und die Tage sind lang. An jedem Abend liegen wir alle völlig geschafft auf der Couch. Dafür gibt es aber unfassbar gutes, reichhaltiges Essen und sehr angenehme Gesellschaft. Frangiskos beantwortet uns alle Fragen über das Leben in Griechenland, den Anbau verschiedener Pflanzen, die Haltung von Schweinen, den Kauf von Land. Wir erfahren dabei besonders viel über den Anbau und die Nutzung von Oliven. Uns beiden war beispielsweise bisher nicht bekannt, dass aus einem Olivenkern allein kein Baum wird. Erst wenn ein Vogel den Kern frisst und wieder ausscheißt, wird ein Baum draus. Olivenbäume machen generell wenig Arbeit, außer einmal im Jahr zur Ernte. Auch Wein braucht wenig Aufmerksamkeit – abgesehen von der wirklich anstrengenden Pflanzphase.

Neben der „normalen“ Arbeit hat insbesondere Silas auch die Fütterung der paar Tiere übernommen. Zwei Mal am Tag gehen wir bei der Ziege, den Vögeln und den kleinen Schweinchen vorbei, um ihnen ihr Futter zu bringen und das Wasser aufzufüllen.

Die zweite Woche wird nicht weniger arbeitsreich: Silas und ich bauen eine kleine Mauer aus Natursteinen. Das heißt: Steine sammeln, Sand sammeln, Mörtel mischen, Steine puzzeln, alles aneinander klatschen, schön machen. Dazu versenkt die Sonne unsere Nacken und Arme und wir sind am Abend total erledigt. Aber die Arbeit lohnt sich: Nachdem wir die letzte Erde von einem nahen Feld geholt haben, sind sowohl wir als auch unsere Gastgeber sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Außerdem haben Silas und ich so gelernt eine Mauer aus Naturstein zu bauen – etwas, womit man in Griechenland anscheinend gutes Geld verdienen könnte…

Was uns beiden aber noch wichtiger ist als der Lerneffekt, sind die beiden „Farmer“. Frangiskos und Marilena sind so ganz anders als wir sie uns vorgestellt hatten. Eigentlich keine Farmer und auch keine typischen Ökos, eher wirken sie wie Stadtmenschen, die auf dem Land leben. Frangiskos ist in New York aufgewachsen, kam eines Tages hierher, um sich das Land anzuschauen, das seine Mutter geerbt hatte – und fühlte sich sofort zu Hause. Nach und nach kaufte er das riesige Grundstück seines Urgroßvaters von verstreuten Verwandten zusammen und besitzt nun 20 Hektar fruchtbares griechisches Land. Darauf baute er sich nach und nach Eumelia zusammen: Eine Luxus-Farm mit schickem Interior Design, zunächst gemacht für Touristen, aber auch sehr ertragreich mit Oliven und Wein.

Frangiskos ist jetzt seit knapp 14 Jahren hier, hat die Farm weiter ausgebaut, mehrere Gasthäuser gebaut und Schweine, Hühner, Ziegen, Hunde angeschafft. Er verkauft seine organischen Produkt (hauptsächlich Olivenöl)und bietet Workshops und Yoga Retreats an. Auf der Farm hat er auch seine jetzige Frau Marilena kennen gelernt und zusammen haben sie einen wundersüßen Sohn. Silas‘ biologische Uhr fängt an, immer lauter zu ticken, sobald er Jason sieht.

Die beiden sind sehr herzliche Menschen und wir werden hier behandelt wie Könige – obwohl wir eigentlich doch nur Volunteers sind. Marilena ist eine begnadete Köchin und versorgt uns mit sehr, sehr gutem Essen. Dazu gibt es interessante Gespräche über Politik, Gesellschaft, Kinder, Farming, Reisen, Kinder, Gäste, die Arbeit und nochmals Kinder.

Wir dürfen auch einen für die Gäste bestimmten Seifen-Workshop mitmachen (Rezept siehe unten). Allgemein bekommen sowohl Silas als auch ich Lust darauf, wieder mehr selber zu machen. Besonders Bier brauen wollen wir ausprobieren, wenn wir das nächste Mal eine feste Bleibe haben. Man darf gespannt sein!

Das wichtigste Fazit der letzten zwei Wochen:
Silas und ich sind von der wagen Idee „In-Griechenland-leben/ Ins-Ausland-gehen“ mittlerweile ein paar Schritte weiter gegangen. Durch unseren Aufenthalt hier haben wir zum ersten Mal das Gefühl, dass wir es tatsächlich meistern könnten, auszuwandern, es uns leisten könnten, Land zu kaufen und was Eigenes aufzubauen. Ein befremdliches, aber schönes Gefühl. Wir fühlen uns hier pudelwohl und sehr willkommen. Marilena und Frangiskos würden sich auch sehr freuen, wenn wir ihre Nachbarn werden würden 😉

Eigene Seife – so geht’s:

Man nehme:

450 g sehr gutes Olivenöl (oder anderes Öl)
1 Teelöffel Meersalz
58 g Natriumhydroxid
129 g Wasser (oder in diesem Fall Tee, es können auch gefrorene Milch oder gefrorener Saft verwendet werden – je nach Duftrichtung)

Zunächst wird aus Rosmarin und Lavendel ein Tee gemacht. Wenn der Tee gut durchgezogen ist, werden davon 129 g abgemessen. Dem wird zuerst Salz hinzugegeben und die Mischung wird gut durchgerührt. Bevor nun das Natriumhydroxid eingerührt wird, muss der Behälter mit der Tee-Salz-Mischung unbedingt in eine Schale mit Eiswürfeln gestellt werden. Bei der Zugabe von Natriumhydroxid entsteht extreme Hitze, weshalb hier besondere Vorsicht geboten ist. Die Mischung wird behutsam gerührt und erst wenn alles verrührt ist, wird das Olivenöl hinzugegeben. Es entsteht eine Wolke in der Mischung, die durch vorsichtiges Umrühren während der nächsten 30 Minuten verschwindet. An dieser Stelle können verschiedene Flavours hinzugefügt werden, bspw. Essential Oils, einige Tropfen warmer Honig, Schokolade, roter oder grüner Ton, Kaffee…..

Die Flüssigkeit wird in Schalen gegossen. Bei uns waren es simple Plastikschälchen, man könnte aber auch Backförmchen auf festem Untergrund nehmen, um verschiedene Formen zu erzeugen. In jede Schale könnten jetzt noch verschiedene Essential Oils (bspw. Basilikum, Lavender, Orange, etc.) hinzugefügt werden, so dass verschieden duftende Seifen entstehen, und dann werden die Seifen für 24-48 Stunden stehen gelassen. Erst jetzt werden sie aus ihren Behältern geploppt und circa 4 Wochen an einem warmen und trockenen Ort gelagert.

Et voilà – Soap is ready!

Ein Gedanke zu „Eumelia – „eine wunderschöne Melodie“

  1. Matthias sagt:

    Endlich wieder Neuigkeiten! Wir haben schon so danach gehungert!
    Wann treffen wir uns wieder mal auf Skype?

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