Chalkidiki

von Mia

An einem karibikartigen Strand auf dem zweiten Finger von Chalkidiki treffen wir Anestis und Magda wieder. Von ihnen und vielen anderen Thechalonen haben wir mehrfach gehört, wie wunderschön Chalkidiki ist. Das sollten wir uns auf keinen Fall entgehen lasen. Also sind wir jetzt hier und genießen Sonne, Strand und Meer. Mal wieder… 😉

Nach zwei entspannten und weinseeligen Tagen mit Anestis und Magda am Orange Beach fahren wir am Samstag zum Einkaufen in die nächste Stadt. Auf dem Weg dahin entdeckt Silas zwei Wohnmobile, die direkt am Wasser stehen. Wir machen uns auf die Suche nach der Straße dort hin.

An ihrem Ende finden wir die Überreste eines Campingplatzes. Einige Camper und Zelte stehen im Schatten der Bäume. Wir fragen die Italiener, ob man hier noch irgendwas an irgendwen bezahlen muss. Ihre Antwort: Nein, der Platz sei seit Jahren verlassen. Wasser laufe aber immer noch, eine Toilette funktioniere und bis vor zwei Jahren war auch der Strom noch angeschlossen. Den gebe es leider nicht mehr.

Damit können wir leben – Strom brauchen wir eh nicht. Also suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und machen uns bereit für ein paar entspannte Tage. Das Weter ist bombe – viel zu heiß, um etwas anderes zu tun als zu baden. Wir liegen im Schatten, springen ins Wasser, schnorcheln, essen, spazieren ins nächste Dorf für ein bisschen Zivilisation. Das alles mit einem spektakulären Blick auf die Mönchsrepublik Athos – ich frage mich, wie viele der ehrwürdigen Mönche wohl versuchen, mit einem Super-Fernrohr einen Blick auf die barbusigen Strandnixen gegenüber zu erhaschen…?

Nach und nach kommen immer mehr Camper. Wir werden eingekreist von einer Flotte White Sharks und ihren Fahrern, hauptsächlich deutsche und österreichische Papoudakia. (Mir ist übrigens völlig schleierhaft, warum die Holländer als Campernation gelten. Die meisten Leute mit dickem Campermobil („White Shark“) sind Österreicher oder Deutsche (vor allem Süddeutsche). Campende Holländer haben wir erst einmal getroffen.)

Die anderen Camper sind fast immer sehr nett und sehr oft sehr seltsam. Einer der älteren Österreicher bittet uns, seinen Wagen im Blick zu behalten, während er auf Bootstour ist, denn: „Man hat ja keine Vorurteile, aber hier sind ja so viele Rumänen und Bulgaren…“ Er war übrigens aus Braunau am Inn. Vielleicht kann er für seine nicht vorhandenen Vorurteile also gar nichts, vielleicht ist das genetisch bedingt…

Diese Sorte Deutsche und Österreicher bleibt auch gern unter sich, beäugt die anderen Nationen misstrauisch und glaubt, dass auch alle anderen Deutschen so denken wie sie. Wir haben keine Lust auf nationale Begrenzungen und schließen Freundschaft mit unseren osteuropäischen Nachbarn. So bekommen wir wertvolle Tipps für Osteuropa, selbst angebaute Aprikosen und eine Einladung von einem rumänischen Zahnarzt in sein Heimatland.

Dann wird plötzlich das Wasser abgestellt – nach gerüchteweise über 20 Jahren. Ein Bagger und zwei Bauarbeiter kommen vorbei, reißen den Boden auf und überbringen schüchtern die Nachricht, dass der Bürgermeister uns bitte, bis morgen 12 Uhr zu verschwinden. Sie sind sichtlich erleichtert, als wir nur mit den Schultern zucken und zustimmen. Mit welcher Reaktion sie wohl gerechnet haben? Es zirkulieren verschiedene Gerüchte, warum sich nach Jahrzehnten plötzlich jemand für die ganzen Camper interessiert: Ein neuer Besitzer hat das Grundstück für 4 Millionen gekauft, der Wasservorbrauch war so hoch, dass die Stadt Sarti nur noch ein paar Stunden am Tag Wasser hatte und ähnliches. Uns ist es wurscht, wir hatten ein paar schöne Tage hier mit unbezahltem Luxus und darüber sind wir froh.

Wir ziehen weiter gen Süden und schwupp – haben wir einen neuen, tollen Platz. Eine „Piratenbucht“ (Silas) bei Kofious mit kristallklarem Wasser, Sandstrand, Fischerbooten und ein paar unvermeidlichen White Sharks. Lustigerweise sind unsere bulgarischen Bekannten auch hier und einmal am Tag kommt uns eine Herde Ziegen besuchen. Sie werden von einem Hirten auf einem Moped auf den nächsten Berg und um die Bucht herum getrieben, um zu grasen.

Wir verbringen unsere Tage mit viel schnorcheln und lesen. Besonders als es fast 40 Grad heiß wird, sind kaum andere Beschäftigungen möglich. Als wir zum Einkaufen dann doch in den Ort spazieren, ist es so heiß, dass ich uns für den Rückweg eine Mitfahrgelegenheit organisiere. Der Grieche, der uns die paar Meter mitnimmt, hat an diesem Samstag auch nur vor, der Hitze zu entkommen: „Oh, I don’t have a destination. Just driving around the island to cool down with the air condition.“ So wirds gemacht!

Am Sonntag gibt’s dann noch eine Überraschung: Magda und Anestis beginnen ihre 10 Tage Urlaub! Wir treffen uns nochmal, grillen, schwimmen, trinken Bier („Kupa!“) und quatschen. Ein super entspannter Strandtag und der perfekte Abschied von Chalkidiki und Griechenland. Denn: Wir wollen weiter in die Türkei! In Edirne wartet das Oil-Wrestling-Festival schon auf uns… 😉

2 Gedanken zu „Chalkidiki

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