Auf der Hälfte der Schwarzmeerküste

von Mia

In Gerze bei Sinop machen wir Pause. Durch Zufall sind wir an eine Couchsurferin geraten, die uns für ein paar Tage bei sich aufnehmen möchte. Was für ein Glücksgriff das ist, sehen wir erst, als wir da sind.


Die Fahrt vom Küre Dag Evi nach Sinop ist der Horror. Es geht konsequent bergauf, wir überqueren die Nordanatolischen Berge. Wir haben schlechten Diesel getankt und Bob zieht nicht besonders gut. Erst sind wir nur langsam, dann immer langsamer und dann ist der Motor zu heiß. Auf dem Weg müssen wir ständig Pause machen und sowohl Silas als auch ich kriegen ziemlich schlechte Laune. Aber dann geht es runter! Wir rasen mit 130 km/h – bergab und Rückenwind machen’s möglich.

In Sinop angekommen springen wir erst einmal ins Meer. Wir trinken Cay und essen Simit am Strand. Dann gehen wir in die Stadt, schauen uns ein paar alte Steine an und gehen schließlich in einen Cay Salonu, trinken noch mehr Cay und spielen Backgammon. Erst jetzt finden wir heraus, dass unsere Couchsurferin Hilal gar nicht direkt in Sinop wohnt, sondern in Gerze bei Sinop. Also machen wir uns am Abend auf den Weg dorthin.

Wir werden von Hilals Cousin herzlich empfangen und zu Hilals Gästewohnung gebracht. Hilal selbst wohnt mit ihrem Mann und der kleinen Tochter ein Stockwerk tiefer und die Dachwohnung ist nur für Familie, Freunde und Couchsurfer gedacht. Aber was für eine Wohnung das ist! Eine riesige Dachterrasse mit Blick über Gerze und das Schwarze Meer erwartet uns. Wir sehen Wasser so weit das Auge reicht. In der Ferne verschwimmen Berge, Himmel und Wasser in einem weißen Nebel. Es ist wunderschön.

Innen ist momentan alles mit Couchsurfern belegt. Neben uns sind noch ein russisches und ein polnisches Paar dort, die beide am nächsten Tag per Anhalter in verschiedene Richtungen weiter reisen wollen. Das polnische Paar ist schon vier Monate durch Asien getrampt und jetzt auf dem Weg Heimweg von Georgien. Das russische Paar will weiter nach Georgien. Es ist eine lustige Runde. Am Abend kommt schon der nächste Couchsurfer. Er ist aus Bosnien und mit dem Fahrrad unterwegs in Richtung Japan. Er plant, die nächsten zwei Jahre zu radeln und zu radeln und zu radeln. Wir wissen Bob plötzlich noch mehr zu schätzen…

Nach dem Frühstück (das hier nur das Vorspiel zum Kaffeetrinken ist) wird die Zukunft aus den Kaffeetassen gelesen. Hilal weiß zwar auch nicht, wie das geht, aber zum Glück gibt es dafür eine App. Also wird ein Foto von Silas‘ Kaffeesatz gemacht und per App an die Wahrsagerin geschickt. Nach einiger Zeit erhält Silas seine Zukunftsvorhersagen – auf Türkisch natürlich. Es scheint im Großen und Ganzen darum zu gehen, dass er von einem älteren Mann Ratschläge bekommen wird, auf die er hören sollte, und dass er zu Wohlstand kommen wird. Wir können gespannt sein 🙂

 

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