Tbilisi: Erste Eindrücke

von Mia

Alte Burgen, moderne Brücken, leckeres Essen und wunde Füße: Unser erster Tag in Tbilisi war ereignisreich.


Eigentlich wollten wir bereits am Freitag in Richtung Tbilisi los fahren und auf dem Weg noch einmal stoppen, doch wir beide wachen mit Hals- und Kopfschmerzen auf. Wir fühlen uns fiebrig und beschließen, noch einen Tag in Koubuleti zu bleiben. Wir schlafen den ganzen Tag, essen schöne heiße Suppe und verkriechen uns in Bob. Am nächsten Tag geht es zumindest Silas dann gut genug zum Autofahren. Wir machen uns auf den Weg.

Entlang einer wunderschönen Strecke zwischen den Bergketten hindurch fahren wir nach Tbilisi. Die Straßen sind größtenteils ziemlich gut, die Georgier nach wie vor die schlimmsten Autofahrer auf dieser Reise. Ich bin froh, dass Silas heute das Fahren übernimmt, ich fühle mich dem Verkehr auf den georgischen Straßen momentan nicht gewachsen…

Nach ungefähr 5 Stunden (inkl. Pausen) erreichen wir unsere Airbnb-Wohnung in Tbilisi. Das Haus ist ein 16-stöckiger Bau aus Sowjet-Zeiten, der noch einiges von seinem Charme erhalten hat. Die Wohnung ist sehr schön, sehr sauber, sehr modern. „Außen pfui, innen hui“ trifft’s hier wohl eher. Besonders Silas ist aber angetan von dem Ostblock-Style des Hauses und der ganzen Straße. Es ist alt, rostig und fällt ein wenig auseinander – davon lässt sich aber niemand stören, das Haus am allerwenigsten. Das Interessanteste: In Tbilisi muss man den Aufzug mit 10 Tetri (circa 3 Cent) bezahlen, wenn man nach oben fahren möchte. Runter ist kostenlos…

Uns gefällt es jedenfalls gut, besonders die schöne heiße Regendusche hat es uns angetan… Nachdem wir uns erst mal geduscht haben, wird Pizza bestellt und dann die Verfilmung von Cormoran Strike auf BBC ONE geschaut. So ein Luxus!

Am nächsten Tag haben wir beide uns ausreichend erholt und machen unsere ganz persönliche Sightseeing Tour. Wer uns kennt, weiß, dass das eigentlich nur bedeutet, dass wir wie die Blöden kreuz und quer durch die Stadt laufen und versuchen, möglichst alles gleichzeitig aufzunehmen. Tbilisi ist eine schöne Stadt. Mit 1 Million Einwohner ist sie vergleichsweise klein (man denke an Istanbul), trotzdem hat sie unglaublich viel zu bieten. Mir gefällt besonders dieser selten gelungene Mix aus uralten Burgen, Kirchen, Häusern und den supermodernen neuen Architekturwundern. Hätte mir jemand davon berichtet, hätte ich nicht geglaubt, dass so etwas so elegant miteinander harmonieren kann – aber tatsächlich gibt es der Stadt einen ganz besonderen Flair. Wir haben einen großartigen Tag, am Ende tun unsere Füße aber ganz schön weh…

Am Abend treffen wir in unserer Wohnung unseren Gastgeber und geraten ins Quatschen. Bei einem Glas Wein sprechen wir über Georgiern und seine Einwohner. Hier ist eine Zusammenfassung von dem, was wir von Gela gehört haben:

  1. Die Russen lieben Georgier. Sie haben einen Haufen positiver Vorurteile gegen die Menschen aus dem Kaukassus-Gebiet: Georgier sind stark, unnachgiebig, gefährlich. Georgien scheint eines der wenigen Länder zu sein, in dem russische Touristen sich benehmen. Manche machen erst gar keinen Urlaub in Georgien, weil sie Angst haben. Russische Mädchen sind mit dem Satz „Ich komme aus Georgien“ extrem zu beeindrucken, während es bei europäischen Mädchen dafür einen Minuspunkt gibt.
  2. Trinksprüche: In Georgien werden Wein und Wodka nicht einfach so getrunken. Für jeden noch so kleinen Schluck wird ein Trinspruch ausgebracht, mal auf die Liebe und die Frauen, dann auf die Nationalhelden, auf die Toten und was sonst noch so einfällt. Dabei gibt es feste Rituale und Traditionen, die Georgier besser kennen sollten, um sich keinen Fauxpas zu leisten. Zwischen den Sprüchen einfach so einen Schluck zu trinken ist übrigens verpönt.  Selbst unter jungen Georgiern und besonders auf dem Lande ist die Tradition der Trinksprüche noch sehr weit verbreitet.
  3. In Georgien herrscht ein ziemlich traditionelles Männerbild. Gela erzählt uns, dass ein Mann auf jeden Fall kämpfen können muss und dass es beleidigend für ihn ist, sollte seine Frau/Freundin ihn vor anderen verteidigen. Der Mann zahlt die Rechnungen und lädt ein. Auf dem Lande versuchen sie außerdem, die Polizei aus allem rauszuhalten und die Probleme unter sich zu klären – wie echte Männer eben…
  4. Wie in vielen anderen südlichen Ländern geht auch in Georgien das Gerücht um, dass nordeurpoäische Frauen leicht zu haben seien. Georgische Mädchen halten sich noch oft an die Regel „Kein Sex vor der Ehe“ und rechnen beim ersten Date schon aus, ob sie dich heiraten wollen/sollten oder nicht. Wir müssen zugeben: Verglichen damit könnte an dem Gerücht sogar etwas dran sein…
  5. Vor zehn, fünfzehn Jahren wurde Georgien von der georgischen Mafia kontrolliert. Das Land galt damals als gefährlich und kriminell und die meisten Georgier wären gern Teil der Mafia gewesen. Kleine Jungs wie Gela damals sahen zu den Mafiosi auf und wollten so werden wie sie. Dann kam der Schlag gegen die Mafia und in Georgien wurde radikal aufgeräumt. Jeder, der in irgendeiner Form mit der Mafia in Verbindung stand, wurde verhaftet, egal ob er selbst kriminell gehandelt hatte oder nicht. Die Mafia verlor immer mehr an Ansehen und die heutigen Kinder kennen sie nur noch aus Schulbüchern. Die Menschen haben andere Prioritäten und das Land gilt als sehr sicher. Die versprengten Reste der Mafia haben sich übrigens angeblich in Russland, Italien und Thessaloniki neue Imperien aufgebaut und stellen in Russland einen Großteil der russischen Mafia.

Ein Gedanke zu „Tbilisi: Erste Eindrücke

  1. Matthias sagt:

    Sind zurück in Würzburg, haben endlich wieder WLAN, aber sehr langsames, können uns daher die schönen Bilder genüsslich langsam anschauen

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